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Am 08. Juli 1839 verlor Werner seine Mutter und nur wenige Monate später am 16. Januar 1840 starb auch sein Vater. Ab diesem Zeitpunkt kümmert sich Werner von Siemens als ältester Sohn um die Existenz und Ausbildung seiner jüngeren Geschwister. Um dieser Verantwortung finanziell gerecht zu werden, versuchte er durch Erfindungen und deren Verwertungen Geld zu beschaffen. So entstanden eine Reihe an praktischen Erfindungen, wie beispielsweise ein neues Druckverfahren, eine Kunststeinpresse und ein Dampfmaschinenregler. Seine Studien wurden unterbrochen als er aufgrund eines Duells zwischen ihm und eines Infanterieoffiziers zur Festungshaft verurteilt wurde.

In seiner Zelle, welche einem Laboratorium glich, konnte er seine elektrolytischen Versuche fortsetzen. Da erfand er auch eine Methode für galvanische Vergoldung und Versilberung. Werner von Siemens galt somit als Begründer der Galvanotechnik. Um die Erfindungen seines Bruders zu vermarkten, beschloss Wilhelm auf Reisen zu gehen, denn sein Studium musste er aus finanziellen Gründen aufgeben. 1842 erhielt er auf seine Galvanotechnik ein Patent, welches er an einen Juwelier verkaufte. Einen zuverlässig arbeitenden Zeigertelegraphen mit Selbstunterbrechung konstruierte Werner 1846 auf der Grundlage des Wheatstoneschen Telegraphen. Während eines Vortrages in der physikalischen Gesellschaft wurde der Feinmechaniker und Unternehmer Johann Georg Halske auf ihn aufmerksam. Somit übertrug Werner von Siemens die Ausführung seiner bahnbrechenden Entwicklung auf dem Gebiet der Telegraphie dem Mechanikermeister Halske. Am 01. Oktober 1847 gründete er in Berlin gemeinsam mit Halske die Telegraphen-Bauanstalt Siemens & Halske.

Siemens & Halske (c) wikimedia commons

Siemens & Halske (c) wikimedia commons

Auf nahezu ideale Weise ergänzte sich das Wissen von Siemens, mit dem Können von Halske, der die Ideen in praktisch nutzbare Geräte umwandelte. Um jedoch finanziell nicht nur von seinen Erfindungen abhängig zu sein, blieb Werner vorläufig weiter im Militärdienst und widmete seine Freizeit dem neuen Unternehmen. Da entwickelte er nun alle Einzelteile, die für eine brauchbare Nachrichtentechnik nötig waren. Darunter Blitzsicherungen und Porzellanisolatoren. Zufällig hatte ihm sein Bruder Wilhelm aus England eine Probe von der damaligen Marktneuheit Guttapercha, einem gummiartigen Pflanzensaft, zugeschickt, dessen Eigenschaften sich optimal für die Isolierung von nahtlosen unterirdischen Leitungen eigneten. Siemens versuchte auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. 1848 erhielt die Telegraphenanstalt Siemens & Halske den ersten staatlichen Großauftrag mit dem Bau einer über 500 Kilometer langen Telegraphenlinie zwischen Berlin und Frankfurt am Main.

Die Strecke wurde zur Hälfte als Kabel, zu anderen Hälfte als Freileitung verlegt. Da die Reichweite auf 50 Kilometer beschränkt war, mussten mehrere Zwischenstationen errichtet werden. Die Leitung wurde im März 1849 übergeben. Im Sommer diesen Jahres nahm Siemens nach fast fünfzehnjähriger Dienstzeit Abschied vom Militär, um sich vollständig auf sein aufstrebendes Unternehmen konzentrieren zu können. Da seine liberale politische Haltung ihm nicht geschadet hatten und vor allem weil er während seiner Militärzeit eine ingenieurwissenschaftliche Ausbildung erhalten hatte, blickte er mit überwiegend positiven Erinnerungen auf seine Militärzeit zurück. 1851 präsentierte Siemens seinen Zeigertelegraphen und erhielt die höchste Auszeichnung, die seinem Unternehmen einen großartigen Schwung gab. Schnell konnten die Unternehmer aus deren Werkstatt in eine Fabrik umziehen. Siemens & Halske wurden auch international populär. Noch 1851 erhielten sie den Auftrag für die Errichtung des russischen Telegraphennetzes, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ausgebaut werden sollte.

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