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Steueroase Deutschland

 

Geldhäuser (c) Esther Stosch  / pixelio.de

Geldhäuser (c) Esther Stosch / pixelio.de

Alice Schwarzer hat es getan, Uli Hoeneß und der Staatssekretär von Klaus Wowereit auch. Sie alle haben ihr Geld auf Konten in der Schweiz gelagert und somit Steuern hinterzogen. Dadurch ist eine offene Diskussion entstanden. Warum lagern Prominente ihr Geld im Ausland, sind die Steuern in Deutschland zu hoch? Nach einer neuen Studie der Nicht-Regierungs-Organisation Netzwerk Steuergerechtigkeit gilt die Bundesrepublik jedoch auch als Eldorado für Steuerflüchtlinge.

Als Rückzugsort gilt Deutschland besonders für Süd-Europäer und die organisierte Kriminalität. Laut Schätzungen von Experten werden jährlich zwischen 29 und 51 Milliarden Euro an illegal erwirtschaftetem Geld gewaschen. Auch die Möglichkeit für Unternehmen, sich arm zu rechnen, brachte der Bundesrepublik eine Platzierung unter den „Top Ten“ der weltweiten Steueroasen ein.

Die Studie

Auf den oberen Rängen rangieren die alt bekannten Eldorados, Platz 1 belegen die Eidgenossen gefolgt von Luxemburg (2) und Hong Kong (3). Deutschland liegt mit einem Schattenindex von 783,3 Punkten auf Platz 8 und somit nur knapp hinter den USA (6) und Singerpore (5). Bekannte Steueroasen wie Bermuda und die Marshall Inseln liegen abgeschlagen hinter der BRD. Bermuda belegt in der neuen Studie lediglich Platz 14 und die Marschall Inseln liegen auf Platz 22.

Ansicht der Bankenmetropole Frankfurt (c) Tilmann Jörg  / pixelio.de

Ansicht der Bankenmetropole Frankfurt (c) Tilmann Jörg  / pixelio.de

Die Gründe

Große Konzerne wie Apple, Amazon und Google können sich laut deutschem Steuerrecht arm rechnen, zum Beispiel mit Hilfe von Steueroptimierungsmodellen. Zu den reichen armen Firmen gehören auch viele Großbanken. So zahlten 2011 die Sparkasse fast fünfmal so viel Steuern an das Finanzamt wie private Großbanken. Und das, obwohl die Großbanken mehr Kunden und mehr Kapitalerträge haben. Der Zeitung „Welt“ sagte der Grüne Europaparlamentarier Sven Giegold: „Die Bilanzsumme der deutschen Großbanken ist deutlich größer als die aller Sparkassen zusammen. Dass sie dennoch weniger zahlen, macht sie sehr fragwürdig“. 

Ein weiterer Grund für die Top-Platzierung Deutschlands ist organisierte Kriminalität. So gehören zu den größten Geldwäsche-Quellen in Deutschland korrupte Politiker aus südlichen Ländern und das organisierte Verbrechen. Dies ist möglich, da die Bundesregierung lange Zeit nicht effektiv gegen Geldwäsche vorgegangen ist. Nach heftigen Kritiken der OECD und der EU-Kommission hat das Bundesparlament härtere Vorschriften auf den Weg gebracht.

Kritisiert wird auch die Einführung der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkommen. Dies erleichtert es Bürgern anderer Länder, ihr Vermögen in Deutschland vor dem heimischen Fiskus zu verbergen.

 

Informationen – Anhang

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroase werden Länder bezeichnet, welche keine oder sehr niedrige Steuern auf Einkommen und Vermögen erheben. Den Anlegern wird Diskretion und Anonymität versprochen, außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und das Bankgeheimnis. Steuereldorados sind häufig kleine, wohlhabende und stabile Länder. Sie bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland.

Die großen deutschen Privatbanken

Anmerkung: In der Klammer steht die Bilanzsumme, angegeben in Millionen Euro.

  1. Deutsche Bank (2.164.103 Mio. €)
  2. Commerzbank (661.763 Mio. €)
  3. DZ Bank (405.926 Mio. €)
  4. Unicredit Bank AG (385.514 Mio. €) Anmerkung: vormals HypoVereinsBank
  5. Deutsche Postbank (191.982 Mio. €)

Zum Vergleich: Die zusammengefasste Bilanzsumme aller Sparkassen beträgt 1.106 Milliarden Euro.

 

Die „Top 10“ der Eldorados für Steuerflüchtlinge

  1. Schweiz
  2. Luxemburg
  3. Hong Kong
  4. Kaimaninseln
  5. Singerpore
  6. USA
  7. Libanon
  8. Deutschland
  9. Jersey
  10. Japan

 

von Nathanael Meyer

Ich bin der Gründer und Chefredakteur von PolTec-Magazin und Student an der Technischen Hochschule Nürnberg GSO im Fach Technikjournalismus und Technik-PR (seit dem Wintersemester 12/13).
Gerne folgt mir auch auf meinen sozialen Kanälen 🙂
Ich bin der Gründer und Chefredakteur von PolTec-Magazin und Student an der Technischen Hochschule Nürnberg GSO im Fach Technikjournalismus und Technik-PR (seit dem Wintersemester 12/13). Gerne folgt mir auch auf meinen sozialen Kanälen :)

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