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Bayerische Regierung will Veröffentlichung von Hitlers „Mein Kampf“ verhindern

 

mein-kampf-c-wikimedia-commons

Hitlers “Mein Kampf“ ist seit Gründung der Bundesrepublik ein unverkäufliches Buch. Dies wird sich 2015 ändern. Grund dafür ist, dass es sich nicht um ein strafrechtliches Verbot wie bei Holocaustleugnung handelt, sondern um eine Urheberrechtsfrage. Die Bayerische Regierung, die bisher die Rechte an “Mein Kampf“ hatte, will trotzdem den Handel damit unterbinden.

 

 

Eigentlich war alles bereits entschieden. 2015 laufen alle Rechte an “Mein Kampf“ aus. Jeder kann es dann kaufen oder verkaufen. Die Bayerische Staatsregierung, die bisher den Vertrieb des Buches verhindert hatte, wollte sogar eine eigene kommentierte Ausgabe davon auf den Markt bringen.

Dies gilt nun alles nicht mehr. Das Projekt wurde gestoppt. Eine halbe Millionen Euro, die bisher in den Nachdruck investiert wurden, sind weg. Außerdem will Ministerpräsident Seehofer gegen jede andere Veröffentlichung des Werkes rechtlich vorgehen.

Doch was bringt ein solches Vorgehen? Kommt nicht sowieso jeder an das Machwerk?

 

“Mein Kampf“ ist fast überall erhältlich

 

Das deutsche Verbot ist eine Außnahme. Ansonsten ist das Buch in fast jedem Land zu bekommen. Egal ob auf Englisch, Schwedisch oder sogar Hebräisch, Ausgaben gibt es in fast jeder Sprache.

Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass sich in Zeiten des Internets jeder Jugendliche problemlos eine PDF davon besorgen könnte. Fraglich ist, ob überhaupt jemand die 700 Seiten lesen will. Abgesehen davon, hat das Verbot höchstens eine symbolische Wirkung.

 

Jede andere Hetzschrift ist erlaubt

 

“Wollt ihr den totalen Krieg?“ Dieses wohl jedem bekannte Zitat stammt aus Goebbels Sportpalastrede, die, im Gegensatz zu “Mein Kampf“, überall erhältlich ist. Damit ist sie keine Ausnahme. So gut wie jede Schrift aus der Zeit des dritten Reiches ist heute frei verkäuflich. Hitlers Werk bildet hier die Ausnahme. Da stellt sich natürlich die Frage, warum das so ist. Ist sie so viel gefährlicher als andere rechtsextreme Literatur? Die Genialität, mit der Hitler seine Leser in das nationalsozialistische Denken einlullen will, kann anhand von einigen Passagen aus “Mein Kampf“ doch in Frage gestellt werden.

 

Von Füchsen, Genossen und der Störchin

 

Hitler hatte versucht seine Rassenlehre anhand von Tierbeispielen zu propagieren:

 

“Jedes Tier paart sich nur mit einem Genossen.“

 

Interessant ist hier, dass er das Wort Genosse verwendet, das eher im damaligen linken Lager verwendet wurde, aber es geht weiter:

 

“Meise geht zu Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus zu Feldmaus, Hausmaus zu Hausmaus.“

 

Abgesehen davon, dass sich auch Haus- und Feldmäuse miteinander paaren können, kommt die Frage auf, wieso er bei Maus zweimal die männliche Variante, dann aber mit Störchin auch die weibliche Variante verwendet. Naja, irgendetwas wird er sich schon dabei gedacht haben. Allerdings sollt der Leser die Passage nicht vor dem Ende verurteilen, welches dann so aussieht:

 

“Der Fuchs ist immer ein Fuchs, die Gans eine Gans, der Tiger ein […]. Es wird aber nie ein Fuchs zu finden sein, der seiner inneren Gesinnung nach etwa humane Anwandlungen Gänsen gegenüber haben könnte.“

 

Füchse paaren sich also nicht mit Gänsen. Selbst für die damalige Zeit war das keine bahnbrechende Erkenntnis. Auch scheint dem Autor das Wort human nicht geläufig zu sein. Dies kann man ihm als österreichischen Immigranten, der noch Probleme mit der deutschen Sprache hatte, eventuell verzeihen.

Abgesehen davon muss über die Genialität von “Mein Kampf“ nicht gestritten werden. Die gibt es nicht. Das Verbot scheint daher einfach unnötig. Letztendlich wird dadurch ein Werk mystifiziert und in den Mittelpunkt gestellt, welches heute niemand mehr gelesen hätte.

 

 

 von Sebastian Kamper

 

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