Industrie 4.0 und Diconomy

Nathanael Meyer
Steht uns eine leuchtende Zukunft bevor?

Intelligente Systeme, Fabriken ohne Menschen und digitale Wirtschaft, das sind Ziele der neuen industriellen Revolutionen. Von Fließbandfertigung zu Diconomy, dezentral und doch global.

Die vierte Revolution

Industrie 4.0 ist mittlerweile ein alter Hut. Seit Jahren finden die großen technologischen Leitmessen unter diesem von Bitkom, Verband der Informations- und Telekommunikationsbranche, geprägten Begriff statt. Nun muss ein neues Wort für die Zukunft herhalten. Für die CeBit, die weltweit größte Messe für Informationstechnik, entschied man sich für eine Wortneuschöpfung. Diconomy. Ein Neologismus aus Digital und Economy, zu deutsch also Digitale Wirtschaft. Industrie und Wirtschaft wachsen enger zusammen, also braucht es neue Wörter. Dabei kann oft egal sein, was sie genau bedeuten. Sogar Industrie 4.0 sorgt für Streitigkeiten der einzelnen Branchen und Betriebe. Denn die Deutung der vierten industriellen Revolution lässt einigen Spielraum zu. Deshalb versucht man es nun mit einem neuen Ansatz. Industrie 4.0 ist alles, eine große Revolution. Diconomy, Smart-Factory, Cloud-Computing, Integrated Industrie und alle anderen sind Teil dieser Revolution.

Während man in den Verbänden fleißig neue Wörter kreiert und sich auf die Schulter klopft, lobende Hymnen auf die deutsche Industrie singt, wird vergessen nachzuprüfen ob die Ideen in der Praxis rentabel funktionieren. Spekulationen bestimmen derweil das Bild von Industrie 4.0. Doch dabei rechnet sich das Konzept noch gar nicht, wird fast nicht angewendet. Die großen Unternehmen haben längst eigene Konzepte und Zukunftsstrategien entworfen. Für sie ist Industrie 4.0 nur ein Wort für etwas, was sie seit langem machen. Kleine Unternehmen können sich die teure Umstellung kaum leisten und fragen sich warum viel Geld investieren mit dem Risiko nicht mehr zu verkaufen. Doch scheitern geht nicht, schon gar für Frau Merkel nicht. Die Bundesregierung hat den Prozess um Industrie 4.0 nicht nur mit initiiert, sie fördert ihn auch massiv. Dr. Peter Stephan von der Wittenstein AG sagt: „Diese Förderung ist eine Einstiegshilfe.“ Langfristig müsse sich das Ganze aber selber tragen. Aus diesen Worten lässt sich schließen, dass dies bisher wohl noch nicht der Fall ist. Diesen Umstand erklärt Klaus Bauer von Trumpf Werkzeugmaschinen. Die Gelder, die hier fließen, würden der Innovationsforschung dienen. Diese sei nicht nur teuer, sondern auch risikobehaftet.

Die intelligenten Fabriken

Wenn man Messen zu diesem Thema besucht trifft man früher oder später auf die „Smart-Factory“, die intelligente Fabrik der Zukunft. Die Produkte sollen sich von selbst produzieren, ein Prozess soll automatisch in den nächsten übergehen. Sozusagen die neue Form der Fließbandfertigung. Dabei sollen die Posten Fertigung und Logistik ohne menschliche Hilfe miteinander die Produktion koordinieren. Möglich machen dies cyber-physische Systeme. So soll mittels RFID-Technologie eine Kommunikation der Fertigungsmaschine und des Produktes möglich gemacht werden. Anhand der Daten auf dem Chip stellt das System fest, welche Fertigungsschritte noch zu durchlaufen sind, bis das Endprodukt fertig ist. Dieses System hat den Vorteil, dass der Kunde in Zukunft jedes individuelle Ersatzteil bestellen kann, ohne auf Masse zu setzen. So soll eine neue ökologische Fertigung entstehen.

Doch trotz allen tollen Worten, noch ist eine intelligente Großfabrik kaum denkbar. Auch offene Fragen werden kaum erörtert, was passiert bei einem technischen Fehler? Hinz kommt die wirtschaftliche Komponente, lohnen sich die hohen Kosten für eine so immense Systemumstellung? Diese Gründe spielen eine Rolle, warum momentan nur große Unternehmen vollends auf Integrated Industry und Co. setzen können.

“Die Umsetzung von Industrie 4.0 ist ein evolutionärer Prozess, der in den Fabriken mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voranschreiten wird”, so Prof. Dr. Peter Post, Leiter der Forschungsabteilung von Festo.

Digitale Wirtschaft

Die Welt muss digitaler Denken, in größeren digitalen Zusammenhängen. So kurz könnte man die Rede von Jack Ma, CEO des chinesischen Internetkonzern Alibaba Group beschreiben, die er gestern Abend auf der Eröffnungspressekonferenz der CeBit gehalten hat. Gleichzeitig stellte er auch noch die neuste Errungenschaft aus China vor, bezahlen per Gesichtsscan. Das funktioniert, laut Ma, ganz einfach. So einfach das er es gleich vorführte. Man nehme sein Handy und richte die Frontkamera auf das eigene Gesicht. Die hochauflösende Kamera scannt dies und wenn alles passt wird bezahlt. Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, doch noch nicht wirklich serienreif.

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Diconomy, oder wie es die CeBit schreibt D!conomy, soll die Zukunft der Wirtschaft, eingebettet in Industrie 4.0 sein. Die Wirtschaft soll digitaler werden, vorbei die Zeiten des analogen Handels, Global und Digital, das ist die Zukunftsstrategie. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die deutsche Vorreiterrolle und pries die Errungenschaften des letzten Jahres an. Man tue viel für den digitalen Sektor, dabei ist der Breitbandausbau nur ein Thema. Doch Netzneutralität wird es nicht geben, dagegen sprach sich die Bundeskanzlerin auch gestern wiederholt aus.

„Die Bundesregierung vertritt hierbei eine Position, die nicht einfach nur auf Best Effort abstellt, sondern die auch bestimmte Dienste, die sicher funktionieren müssen, genau im Blick hat. […] Ich glaube, dass dieses IT-Sicherheitsgesetz damit auch die Blaupause liefert, wie wir uns dann in Brüssel bei den entsprechenden Themen aufstellen.“

Die Diconomy soll ein weiteres Puzzlestück sein, von vernetzten Maschinen zu vernetzten Systemen und zu vernetzten Handelsplätzen. CEO von Alibaba Jack Ma beschrieb das so: „In den letzten industriellen Revolutionen haben wir den Mensch von harter Arbeit befreit um ihm Ruhe zu gönnen, in dieser Revolution wollen wir dem Mensch nun das Denken erleichtern.“

Technik der Zukunft?
Technik der Zukunft?