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Facebook und WhatsApp
Eine Zusammenführung

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat WhatsApp gekauft. Was ändert sich für die Nutzer? Erst einmal nichts, wenn man Zuckerberg und Jan Koum, dem Gründer von WhatsApp, glauben mag.

 

Bei Facebook geht es um Ansehen. Um das Zurschaustellen von seinen Gedanken, Gefühlen und persönlichen Bildern. Um Anerkennung durch „Gefällt mir“-Klicks.
Und bei WhatsApp? Da geht es um Kommunikation. Man kann Nachrichten versenden, doch nicht nur das. Auch Fotos, Videos, Audioaufnahmen – und das alles für eine geringe Gebühr pro Jahr. Ohne, dass Werbung aufploppt oder man Spieleanfragen bekommt. Und was verbindet diese beiden Dienste?
Scheinbar nichts – außer ihren Besitzer.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg handelte mit Jan Koum, dem Gründer von WhatsApp, einen Vertrag über insgesamt 19 Milliarden Dollar aus, was ungefähr der Summe von 14 Milliarden Euro entspricht. Offiziell gehört WhatsApp Mark Zuckerberg noch nicht. Das Geschäft muss noch von den Wettbewerbshütern abgesegnet werden. Aber der Abschluss soll sobald wie möglich erfolgen.
Doch was bedeutet das für die Nutzer? Ändert sich jetzt genau das, was die User an WhatsApp so schätzen: Dass keine Werbung erscheint?

Nein, sagt Zuckerberg. Er will sich an die Grundprinzipien des WhatsApp-Gründers Koum halten, die lauten: „No ads! No games! No gimmicks!“, also „Keine Anzeigen! Keine Spiele! Keinen Schnickschnack!“ Doch stimmt das? Was könnte Facebook sonst mit diesem Kauf bezwecken?

Natürlich will Facebook unsere Daten. WhatsApp hat bislang 450 Millionen Telefonnummern plus die jeweiligen Kontaktlisten gespeichert. Etwas, was Facebook bisher relativ erfolglos versucht hat, zu bekommen („Aktualisiere deine Sicherheitsinformationen: Füge deine Handynummer zu deiner Chronik hinzu“). Denn Facebook hat sich noch nicht (ausreichend) auf das konzentriert, was für die Nutzer besonders wichtig ist: Den mobilen Markt. WhatsApp wurde vorerst nur für das Smartphone konzipiert und eignet sich daher besonders gut als SMS-Ersatz. Zwar hat Facebook auch einen eigenen Messenger auf den Markt gebracht, doch ist WhatsApp allgemein besser ausgebaut und vereint mehr Nutzer. Facebook will trotz allem an seinem eigenen Nachrichten-Dienst arbeiten und ihn verbessern. Doch wahrscheinlicher ist es, dass WhatsApp in die Facebookplattform integriert werden soll.

Dadurch, dass Facebook der zukünftige Besitzer von WhatsApp sein wird, hat Zuckerberg demnächst auch Zugriff auf andere Apps auf dem Smartphone sowie den Speicher der Kamera und auf Standortdaten. Bisher hatte WhatsApp dies laut Koum nicht gespeichert: „Unser Modell basiert (…) nicht darauf, möglichst viel über unsere Nutzer zu wissen und Daten zu sammeln. Wir kennen nur seine Telefonnummer. Aber wir speichern die Nachrichten nicht.“
Bisher war WhatsApp öfter wegen seiner Sicherheitslücken in die Kritik geraten. Die Nachrichten werden laut dem Gründer zwar verschlüsselt versendet, aber nicht end-to-end-verschlüsselt (E2EE). Das heißt, WhatsApp hat den Schlüssel für die Nachrichten und kann diese jederzeit analysieren. Doch das wollte Jan Koum nie. Allerdings wollte er auch nie verkaufen. Was sagt uns das also?

Vielleicht sollten wir zu einer der im Netz vielfältig diskutierten Alternativen wie Threema oder Surespot wechseln. Aber seien wir einmal ehrlich: Die wenigsten werden ihren WhatsApp-Account stilllegen oder gar löschen. Denn WhatsApp hat sich bereits als mobile Kommunikationsapp etabliert. Man weiß nicht, was mit den Daten bereits gemacht wurde, die man durch das Akzeptieren der Nutzungsbedingungen freigegeben hat und dem Großteil ist die Weitergabe ihrer Informationen an Dritte ohnehin egal. Die meisten, die sich so sehr über Facebook und dessen fahrlässigen Umgang mit Nutzerdaten aufregen, haben einen Account. Warum also jetzt die künstliche Hysterie?

 

von Pia Schmitt

  1. Thomas Antworten

    Im Grunde haben sich alle erst nach der Übernahme durch Facebook über Whatsapp geärgert, obwohl sich ansonsten nichts geändert hat. Viele haben sich nach Alternativen umgeschaut, aber ich denke, dass auch hier zwischenzeitlich Ruhe eingekehrt ist und viele wieder auf Whatsapp zurückgreifen, zumal sich ein Wechsel oftmals nur lohnt, wenn der eigene Bekanntenkreis auch gewillt ist zu wechseln und das gestaltet sich oftmals doch sehr schwierig.

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