Eine dreiteilige Reihe zur Entwicklung der organisierten Kriminalität in Deutschland – Teil 1

 

 

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Symboldbild (c) Uwe Schlick/pixelio.de

Immer wieder und vermehrt rücken mafiöse Banden in den Blickwinkel deutscher Fahnder. Das organisierte Verbrechen profitiert von der Globalisierung und der Europäischen Union. Experten vermuten, dass Deutschland mittlerweile der bevorzugte Planungs- und Rückzugsraum der großen italienischen Mafia ist. Teil 1 erläutert die Frage, was organisierte Kriminalität ist und wie stark sie in der Bundesrepublik Deutschland etabliert ist.

 

Organisierte Kriminalität

Allgemein bezeichnet der Begriff „organisierte Kriminalität“ Gruppierungen, die systematisch kriminelle Ziele verfolgen. Dabei sind diese Organisationen oft stark hierarchisch gegliedert.

In Deutschland ist organisiertes Verbrechen strafrechtlich folgendermaßen definiert:

„Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig
    a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
    b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
    c) unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft
zusammenwirken.“

Die Mafia in Deutschland

Die Mafia, insbesondere die kalabrischen ’Ndrangheta, arbeiten heutzutage unauffälliger. Sie setzen weniger auf „dreckige Geschäfte“, sondern vor allem auf korrupte Geschäftsleute und Politiker. Profitable Geschäfte machen sie in den sogenannten besseren Kreisen. Auch und vermehrt in Deutschland. Lange Zeit, besonders nach dem Fall der Mauer, konzentrierten sich die deutschen Fahnder auf die Kriminalität, die von Osten nach Deutschland kam. So konnte die ’Ndrangheta ohne Probleme Fuß fassen und Deutschland scheint der Mafia zu gefallen. So sagte ein Pate in einem Spiegel Interview, „Wir sind da, wo das Geld fließt. In Deutschland fühlen wir uns besonders wohl, weil man dort noch Respekt voreinander hat.“

Laut der momentan aktuellen BKA-Statistik (2012) richteten sich acht Verfahren gegen italienische Mafiagruppen, davon entfallen sieben auf die ‚Ndrangheta.

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Symbolbild (c) Karl-Heinz Laube/pixelio.de

Am 18. Februar diesen Jahres führte das BKA zusammen mit der Anti-Mafia-Direktion der italienischen Polizei eine Razzia gegen 27 Verdächtige durch.

In Deutschland ist es für die Mafia auch relativ einfach möglich Geld zu waschen und gesuchte Verbrecher zu verstecken. Die Möglichkeit der Geldwäsche brachte Deutschland unter anderem in die „Top Ten“ der Steuerparadiese. Laut des Bundeskriminalamtes ist die ’Ndrangheta im Rauschgift- und Waffenhandel, im Baugewerbe, in der Gastronomie und im Autohandel aktiv. Das daraus erwirtschaftete Kapital wird zum Beispiel in italienischen Restaurants gewaschen. Das Prinzip dabei ist denkbar einfach, da selten genau nachvollzogen werden kann, wie viele Gäste an einem Tag das Etablissement besucht haben. Und die Mafia hat schon längst weite Teile der Bundesrepublik unterwandert, in einem Spiegel Interview sagte Sonia Alfano:

„Deutschland ist die zweite Heimat der kalabrischen ‚Ndrangeta, der reichsten kriminellen Organisation der Welt. Sie transportiert Drogen über deutsches Territorium, hat die Wirtschaft unterwandert, ist gesellschaftlich akzeptiert. Bei den kolumbianischen und mexikanischen Drogenkartellen gilt sie als glaubwürdig, zuverlässig und finanzstark. Man zahlt Cash und macht keine Scherze, weiß, wie man mit Politikern und Würdenträgern umzugehen hat.“

 

Auf einen Schlag wurde dies der deutschen Bevölkerung vor Augen geführt.

Am 15 August 2007: Mit dem Ereignis, das als Mafiamorde von Duisburg bekannt wurde

Doch auch seitdem unterwandert die Mafia weiterhin die Republik. Wie die Mafia mit Wahlzetteln aus Deutschland ihren Kandidaten 2008 in den römischen Senat hievte. Was die Morde von Duisburg im Bezug auf die Mafia bewirkten. Warum fühlt sich die Mafia so sicher in Deutschland? All dies und noch mehr in Teil 2 und Teil 3, nächsten und übernächsten Montag auf PolTec-Magazin.

 

 

Informationen/Anhang

Sonia Alfano wurde 1971 im sizilianischen Messina geboren. Ihr Vater, der Journalist Giuseppe Alfano, wurde 1993 von der Mafia erschossen. Seitdem ist sie eine erbitterte Gegnerin der Mafia. Viel Ärger handelte sie sich ein, als sie den Costa-Nostra-Boss im Gefängnis besuchte und ihn zu Kooperation mit der Justiz überreden wollte. Für die Europawahl 2009 in Italien kandidierte sie für die sozialliberale Partei Italia dei Valori (Italien der Werte) und wurde ins EU-Parlament gewählt. Seit April 2012 ist sie dort verantwortlich für den Sonderausschuss gegen organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche.

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Sonia Alfano (c) Europäisches Parlament

Die großen Mafia-Clans

  • Cosa Nostra (Sizilien, Italien)
  • Camorra (Kampanien, Italien)
  • ’Ndrangheta (Kalabrien, Italien, heutzutage global agierend)
  • Sacra Corona Unita (Apulien, Italien) ANM: Auch als Apulische OK bekannt

 

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Herkunftsgebiete der vier Mafia Familien

 

 

von Nathanael Meyer

Ich bin der Gründer und Chefredakteur von PolTec-Magazin und Student an der Technischen Hochschule Nürnberg GSO im Fach Technikjournalismus und Technik-PR (seit dem Wintersemester 12/13).
Gerne folgt mir auch auf meinen sozialen Kanälen 🙂
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