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Teller mit 50 Jahren (c) Wikipedia

(c) wikimedia / US-Department of Energy

 

 Unverdrossen und entschieden trat er für Nuklearwaffen ein, denunzierte seine Freunde und wurde zu allem auch noch in Kubricks Dr. Seltsam (Dr. Strangelove) hineininterpretiert. Am 9. September 2003 starb der Mann, der die Bombe liebte.

Als „Vater der Wasserstoffbombe“ ging Edward Teller in die Geschichte ein. Er war Zeit seines Lebens dem Genie, sowie dem Wahnsinn nahe. Während sich viele seiner Kollegen im „Manhattan-Projekt“ gegen den Abwurf einer zweiten Atombombe aussprachen, befürwortete Teller dies. War er noch unter Robert J. Oppenheim Teil dieses Projekts und Mitentwickler der Atombombe, bezeichnete er ihn neun Jahre nach dem Krieg als Sicherheitsrisiko. Daraufhin wurde er von vielen Wissenschaftlern gemieden und galt als unkollegialer und skrupelloser Karrierist.

Geboren am 15. Januar 1908 in Budapest als Sohn eines Ungarn und einer Deutschen, begann Teller erst spät zu sprechen, zeigte jedoch schon früh mathematisches Talent. Nach seinem Abschluss am Minta-Gymnasium begann Edward Teller sein Studium in Deutschland und promovierte 1930 bei Werner Heisenberg. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler emigrierte, der jüdisch Stämmige, Teller über England, Dänemark in die USA. Als er 1941 amerikanischer Staatsbürger wurde, widmete er sich leidenschaftlich der Kernphysik.

In Los Alamos (New Mexico), Mitte der vierziger Jahre, schlossen sich verschiedene Wissenschaftler, unter ihnen auch Teller, unter der Leitung von Robert J. Oppenheim zusammen, welcher das „Manhattan-Projekt“ zur Entwicklung der Atombombe leitete. In verschiedenen Sitzungen dieses Unterfangens sprach Edward Teller schon offen über die Möglichkeit einer fusionsbasierten Bombe, welche er die „Superbombe“ (später Wasserstoffbombe) nannte. Teller wirkte als entscheidende Triebkraft beim Bau der Atombombe und hatte den Ruf moralische Bedenken auszuklammern, was ihm häufig Zwist mit seinen Kollegen einbrachte. Im Unterschied zu seinen Fachgenossen brachte er der Vernichtung Hiroshimas und Nagasakis kaum Widerstand entgegnen. Später schrieb Teller in seinem Buch „Das Vermächtnis von Hiroshima“: „Es war notwendig und richtig die Atombombe zu bauen, jedoch war es unnötig und falsch Hiroshima ohne spezifische Warnung zu bombardieren.“

Nachdem 1949 auch die Sowjetunion ihre erste Atombombe zündeten, sah der Physiker seine Stunde gekommen und forcierte seine Pläne zur Entwicklung der Wasserstoffbombe (H-Bombe). Mit Hilfe einflussreicher Politiker, unter anderem dem damaligen US-Präsidenten Truman setzte sich Teller gegen Oppenheim und andere Wissenschaftler, welcher der H-Bombe entgegenstanden, durch. Am ersten November 1952 explodierte die erste Wasserstoffbombe auf einem Testgelände. Jedoch reichte der Vorsprung den sich Teller als „Vater der Wasserstoffbombe“ gegenüber den Sowjets vorgestellt hatte nur kurz: 1955 zündeten sie ihre eigene „Superbombe“.

Der Fehde zwischen Teller und Oppenheim gipfelte im Verhör zur Sicherheitseinstufung Oppenheims in welchem er von Teller als Sicherheitsrisiko deklariert wurde. Dadurch verlor Oppenheim den Zugang zu Geheimprojekten der USA und wurde erst 1963 rehabilitiert. Dies führte zur weiteren Entfremdung Tellers mit seinen alten Kollegen aus Los Alamos. Sein Verhalten wurde von seinen Wissenschaftler-Kollegen fast einhellig verurteilt und fortan galt er vielen als unkollegial und skrupellos. „Selbst unter alten Freunden wurden wir praktisch zu Geächteten“, bemerkte Teller später einmal.

Nach der Oppenheim Kontroverse wurde der Vater von zwei Kindern in der wissenschaftlichen Gemeinde stark gemieden, jedoch mehr als zuvor von den militärwissenschaftlichen und konservativen Regierungskreisen befürwortet. Dies lag auch daran, dass er sich unermüdlich für nukleare Bomben sowie weitere Forschungen und Atomtests aussprach. In den Zeiten des Vietnamkriegs brachte ihm das einen starken Hass von den Kriegsgegner und Friedensaktivisten ein. Er gilt als Vorbild für die Rolle des Dr. Seltsam (engl. Dr. Strangelove) im Film „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben“. Dr. Strangelove stellt in dem Film einen ehemaligen Nazi-Waffentechniker dar, welcher mittlerweile für die Amerikaner arbeitet und ständig neue Bomben konstruiert.

Auch wird Teller eine große Schlüsselrolle an dem Projekt „SDI“ von Ronald Regean, welches anfliegende Atomraketen im Weltall zerstören soll, zugeschrieben. 1991 wurde er als einer der ersten Wissenschaftler mit dem satirisch gemeinten IG-Nobelpreis ausgezeichnet für „lebenslange Bemühungen, die Bedeutung des Begriffs Frieden, wie wir ihn verstehen, zu verändern“.

Am 09. September 2003 im Alter von 95 Jahren starb Edward Teller, an den Folgen eines Schlaganfalls, in Stanford (Kalifornien).

 

 

von Nathanael Meyer

 

Ich bin der Gründer und Chefredakteur von PolTec-Magazin und Student an der Technischen Hochschule Nürnberg GSO im Fach Technikjournalismus und Technik-PR (seit dem Wintersemester 12/13).
Gerne folgt mir auch auf meinen sozialen Kanälen 🙂
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