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(c) Wolfang Hunscher wikimedia commons

Konrad Zuse / wikimedia commons (c) Wolfgang Hunscher

Er selbst beschrieb seinen Werdegang später so: „Verhinderter Künstler, Professor ohne Honorar, verträumter Pennäler, Bummelstudent, Computerbastler, Büttenredner, vakanter Weltverbesserer, gescheiterter Unternehmer und überspannter Erfinder.“ Der Satz stammte von Konrad Zuse, der Mann, der den Grundstein einer Erfindung legte, die aus unserem heutigen Leben kaum mehr wegzudenken ist. Und das aus einem einfachen Grund.

Der am 22.07.1910 in Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin geborene Zuse galt schon in seiner Kindheit als Träumer. Schon sehr bald erwachte sein Interesse an Kunst und Schauspielerei und er wollte Künstler werden. Nur ein Wunsch des talentierten Malers war genauso groß – einmal im Leben etwas erfinden. Nahezu täglich entwarf der Tüftler mithilfe seines Baukastens neue Maschinen. „Er hat sich Fahrräder konstruiert, mit denen er freihändig fahren konnte. Er hat sich Automaten (…) konstruiert, wo er (…) Geld eingeworfen hat und dann kam da eine Apfelsine raus (…)“, beschrieb sein Sohn, Prof. Horst Zuse, den Entwicklungsgeist seines Vaters. Aber auch in dieser Phase machte sich Zuse schon Gedanken, alltägliche Dinge zu vereinfachen: „ Er hat sich überlegt, wie man eine Beleuchtung eines Flures in einem Haus automatisieren kann“.

Nach seinem Abitur schrieb Zuse sich an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg ein. Dort studierte er zunächst Maschinenbau, wechselte dann zur Architektur und schließlich zum Bauingenieurswesen.  „Meine Eltern hatten außerordentliche Geduld mit mir gehabt, ich habe während des Studiums alles Mögliche, andere Dinge gemacht – geschauspielert und gezeichnet und gemalt und was alles – nur nicht studiert“, sagte der „Bummelstudent“ selbst über seine Studienzeit. Trotz allem schloss er sein Ingenieursstudium 1935 mit einem Diplom erfolgreich ab.

Nach dem Studium arbeitete Zuse zunächst als Statiker bei der Henschel Flugzeug-Werke AG. Dort rechnete er pausenlos – er selbst betrachtete diese Arbeit als „Rechenknechte“ als menschenunwürdig. Horst Zuse, Sohn des Erfinders, gab auf die Frage, was seinen Vater zum Bau eines Computers bewegt habe, die Antwort: „Er sagte: ‚Ich war zu faul zum Rechnen‘.“  Deswegen kam ihn die Idee, eine Maschine zu entwickeln, die diese stupiden Rechnereien vollautomatisch erledigen konnte. Er kündigte seine Stelle und richtete sich eine Werkstatt im Wohnzimmer seiner Eltern ein. Zusammen mit Freunden arbeitete Zuse drei Jahre lang an seinem ersten Prototyp – den komplett mechanischen Z1.

Alle drei Einheiten eines modernen Rechners – einen Speicher, um Programme und Daten abzuspeichern, eine arithmetische Einheit, um Berechnungen durchzuführen und eine Kontrolleinheit – wurden in der Z1 zum ersten Mal vereinigt. Auch verwendete er bei seiner Maschine statt dem damals gängigen Dezimal- das Binärsystem – ein bis heute gültiger Standard.

Kaum jemand glaubte an die Vision des Tüftlers, bis er seinen Z2, den Prototyp für den Z3, 1939 der Öffentlichkeit präsentierte. Hier verwendete Zuse erstmals Relais, um die Störanfälligkeit, des, rein mechanisch aufgebauten, Z1 zu beseitigen. Dadurch war seine weiterentwickelte Rechenmaschine Z3, die der Ingenieur 1941 fertigstellte, der erste voll funktionsfähige Computer der Welt.
Während des zweiten Weltkrieges wurde Zuse zweimal einberufen, aber nie eingezogen. Stattdessen arbeitete er wieder bei der Henschel Flugzeug-Werke AG und half dort an der Entwicklung und Herstellung von Gleitbomben mit. Zuse, der nie Mitglied der NSDAP war, war seine Beihilfe durchaus bewusst. In einem Interview sagte er mal: „Ich würde niemals sagen, dass das, woran ich arbeitete, nur zivilen Zwecken diente. Im Krieg haben Sie überhaupt keine andere Möglichkeit. Ich hätte natürlich an die Front gehen und als tapferer „Held“ fallen können – das war die Wahl.“

Kurz vor Ende des Krieges floh er mit seiner Familie über Umwegen ins Allgäu, mit seiner weiterentwickelten Rechenmaschine, die V4 im Gepäck. Dort entwickelte Zuse das Plankalkül, die erste höhere Programmiersprache der Welt.

Nach der Gründung der Bundesrepublik ließ er sich in Neukirchen nieder und gründete seine Zuse KG. Die Firma wuchs, stieg schnell auf und der einstige Träumer und Künstler machte sich mit seiner Computerfirma  einen Namen. Kurioserweise wurde der Firma der Computerboom der 60er Jahre zum Verhängnis. Zuse, der immer mehr Entwickler als Wirtschaftler war, soll so z. B. Geräte, nach der Auslieferung, bei technischen Weiterentwicklungen nachgebessert  und neue Ideen beim Kunden Vorort realisiert haben – ein wirtschaftliches Desaster.

Noch Jahre nach dem Bankrott seiner Firma schwärmten ehemalige Angestellte von dem besonderen Arbeitsklima in der Zuse KG. Er selbst sagte einmal dazu: „Das Betriebsklima wird immer sehr gelobt – das war zu gut. Und ich pflege den Leuten, die (…) zu mir kommen und sagen: ‚Was war das doch schön damals, was hatten wir doch für ein (…) Betriebsklima‘, (…) zu sagen: ‚Ja, wir sind ja auch praktisch pleite gegangen‘. D. h. ich war zu weich. Es muss ein Chef auch hart durchgreifen können, das lag mir nicht so.“ Besonders in Erinnerung blieb seinen Mitarbeitern der legendäre Humor des Firmenleiters.  Er veranstaltete jährlich ein Treffen mit Kunden und Mitarbeitern und zog diese dann durch den Kakao.

Nach dem Bankrott seiner Firma widmete sich Zuse wieder verstärkt dem Malen von Bildern im expressionistischen Stil. Er erhielt viele Auszeichnungen für sein Lebenswerk und ist Träger von u. a. acht Ehrendoktortiteln, dem großen Verdienstkreuz und des Werner-von-Siemens-Ringes.

Der Vater des Computers besaß nie einen eigenen PC. Als Zuse sah, dass seine Schöpfung immer mehr Bereiche des Lebens eroberte, warnte er vor dieser Entwicklung: „Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht einfach den Stecker aus der Steckdose“,  und setzte sich für Datenschutz und Kontrolle der Computer ein. Am 18. Dezember 1995 verstarb Zuse in Hünfeld.

Florian Rottmann

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