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Mit Staffelei zum Telegraph

Wieder zurück in New York im Jahr 1832 lehrte Morse an der Universität als Professor für Malerei und Zeichenkunst.

Fünf Jahre später stellte er das erste Modell seines Schreibtelegraphen vor: zusammengebaut aus Drahtresten, Blechabfällen, einer Wanduhr und einer Staffelei. Am 04. September 1837 präsentierte Morse diesen erstmals der Öffentlichkeit.

Ein A-förmiger Schreibarm diente als Pendel. In der Mitte befand sich ein Elektromagnet, an dem unten ein Schreibstift befestigt war. Mittels eines zweiten Elektromagneten konnte der Schreibarm nach vorn und hinten ausgelenkt werden. Darunter lag eine Papierrolle, die durch ein Uhrwerk weiter gezogen wurde.

Der Elektromagnet selbst besteht aus einer Spule. Wenn Strom fließt, bildet sich in dieser ein magnetisches Feld. In der Spule befindet sich meist ein offener Eisenkern, der das Magnetfeld führt und verstärkt. Die einzelnen Windungen der Spule erzeugen magnetische Feldlinien und summieren sich zu einem Gesamtmagnetfeld. Im Zentrum der Spule ist die magnetische Flussdichte am höchsten. Außerhalb ist sie geringer und nimmt mit immer weiterer Entfernung ab.

417px-Appletons'_Morse_Jedidiah_-_Samuel_Finley_Breese_-_apparatusZum Telegraphieren mussten Sender und ein Empfänger durch eine elektrische Leitung miteinander verbunden sein. Im Vergleich zu früheren Modellen war hier nur eine einzige Leitung notwendig, was ein entscheidender Fortschritt war.

Solange der Schreibtelegraph eingeschalten war und noch keine Nachricht übertragen wurde, zeichnete der Stift stetig einen geraden Strich auf das Papier. Erst wenn der Sender seinen Text eingab, erzeugte diese Eingabe elektrische Impulse, die beim Empfänger durch den Elektromagneten an den Stift weitergegeben wurden und Pendelauslenkungen anstießen. Dadurch entstanden V-förmige Zacken auf dem Papier des Empfängers. Die Eingabe erfolgte mittels eines Hebels, auch Handtaste genannt, der an dem Schreibtelegraph befestigt war und die Stromstöße erzeugte.

Der Morsecode: aus Zacken wurden Punkte und Striche

Morse codierte die Pendelauslenkungen so, dass jede bestimmte Zacke eine Zahl bedeutete. Diese kombinierte er so, dass ein Wort aus einem bestimmten Zahlencode bestand. Die Zahlenkombination „298“ zum Beispiel stand für das Wort „Try“. Das System war sehr aufwändig und kompliziert, da sich die Nutzer durch hunderte von Seiten mit Zahlencodes suchen mussten.

Nach den ersten erfolgreich übermittelten Nachrichten mit seinem Schreibtelegraph reiste Morse erneut nach Europa, um die Apparate der Konkurrenz zu studieren. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Alfred Vail baute er den Schreibtelegraphen so um, dass der Stift, wenn er ruhte, das Papier nicht mehr berührte. Erst wenn Strom induziert wurde und der Elektromagnet den Stift anzog, wurden Punkte und Striche gezeichnet – ein Punkt bei kurzem, ein Strich bei langem Stromstoß. Aus diesen Punkten und Strichen entwickelten Morse und Vail ein Alphabet, in dem für jeden Buchstaben eine bestimmte Kombination von Punkten und Strichen stand.

Das Patent für seine Erfindung meldete Samuel Morse am 20. Juni 1840 an. Es enthielt den Morsecode, Zeichnungen seines Schreibtelegraphen sowie eine ausführliche Beschreibung über den Aufbau und die Funktion des Morseapparates.

  1. werner von siemens Antworten

    Samuel_Morse_1840
    Foto: Smithsonian Photography Search / wikimedia

    Samuel Finley Breese Morse wurde 1791 in Charleston, Massachusetts, geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Buchhändler und studierte an der Yale Universität in New Haven. Dort hörte er erstmals auch Vorlesungen über Elektrizität. Bereits mit 20 Jahren verließ er die Universität und widmete sich seiner Leidenschaft: der Kunst. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Porträtmaler und Bildhauer. Um mehr über die Kunst zu lernen, reiste Morse für ein paar Jahre nach Europa. Den größten Teil dieser Zeit verbrachte er in London. Dort malte er hauptsächlich Kopien nach Werken berühmter Künstler, die sich auch gut verkauften. Er erhielt auf dieser Reise viele Anregungen und verbrachte auch Zeit in internationalen Künstlerkreisen Doch der richtige Durchbruch als Maler gelang ihm nicht.

    Auf seiner Rückreise im Herbst 1832 lernte er einen Mediziner kennen, mit dem er sich über elektrische Geräte unterhielt, und wie man mit diesen Signale übertragen könnte. Bereits zu diesem Zeitpunkt entwickelte Morse die Idee, einen Apparat zu konstruieren, mit dem man Nachrichten mit Hilfe von Elektrizität übertragen kann.

    Die Geschichte der elektrischen Telegraphie

    Seit der Zeit der französischen Revolution wurde die optische Telegraphie bereits flächendeckend genutzt. Sie basierte auf dem Übermitteln von Zeichen mit Hilfe von schwenkbaren Signalarmen. Das Übertragen der optischen Signale war allerdings sehr aufwändig, und vor allem abhängig von Wetter, Tageslicht und der Verfügbarkeit von genügend Menschen. Denn wurde über eine längere Distanz telegraphiert, musste jeder Posten in der Reihe des zu überwindenden Weges besetzt sein. Meist waren die Menschen auf Türmen und anderen Anhöhen postiert. Außerdem waren die übermittelten Nachrichten selten geheim, da sie für alle, die daran Interesse hatten, sichtbar waren.

    Mitte des 18. Jahrhunderts erwarb man schließlich die Erkenntnis, dass sich elektrischer Strom entlang von Leitern bewegt. Das war eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen von elektrischer Telegraphie.

    Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts gab es eine erste Konstruktion eines elektrischen Telegraphen, den Samuel von Sömmering entwickelte. Mit seinem Modell wurde jedes einzelne Zeichen durch einen eigenen Leiter übertragen und die Signale durch elektrochemische Zersetzung des Wassers übermittelt.

    Als Michael Faraday im Jahr 1831 die elektromagnetische Induktion entdeckte, folgte eine Vielzahl von Versuchen, diverse elektrische Telegraphen zu konstruieren. Beispielsweise führten Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß im Jahr 1833 erste Versuche mit einem elektromagnetischen Telegraphen in Göttingen durch. Sie übertrugen Nachrichten mittels Spannungsimpulsen. Zwei Jahre später entwickelte Paul Freiherr Schilling von Canstadt einen Nadeltelegraphen. Die Signale wurden durch eine kompassähnliche Magnetnadel übertragen, die durch ihre Ausschläge die Ziffern eins bis zehn anzeigte. Diesen Nadeltelegraphen bekam der Engländer William Cooke zu Gesicht, und entwickelte daraufhin im Jahr 1837 die erste Signalleitung für eine Eisenbahnstrecke in England. Der erste Drucktelegraph wurde von Carl August von Steinheil im Jahr 1836 konstruiert.

    Alle diese Erfindungen und Modelle waren einzelne Vorreiter, bis Samuel Morse kurze Zeit später der Durchbruch in der Geschichte der elektrischen Telegraphie gelang.

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