Das Scheitern im Nahen Osten

Nathanael Meyer

Saudi-arabische Streitkräfte sind in den Jemen vorgedrungen, um dort gegen von dem Iran unterstütze Rebellen vorzugehen. In Syrien tobt ein Stellvertreterkrieg und wer auf welcher Seite steht, ist schwer nachzuvollziehen. Eine Annäherung an die komplexe Situation im Nahen Osten.

Panzer der irakischen Armee
Panzer der irakischen Armee

Blickt man auf die arabische Welt, sieht man eine zerstörte Welt. Mit großer Freude wurde der arabische Frühling hierzulande zur Kenntnis genommen. In den Medien sprach man von einem „Aufbruch in die Demokratie“, einem Neubeginn der Zeitrechnung für die ganze arabische Welt. Dabei übersah man leichtfertig viele Faktoren und dort, wo die Demokratiebewegungen nicht in Schwung kamen, wurde in bewährter CIA-Manier nachgeholfen. Ganz nach dem Motto: Was in Südamerika gut klappte, muss auch in der arabischen Welt funktionieren. Dabei funkrionierte es in Südamerika auch nicht so richtig.

Damaskus, einst die Perle der arabischen Welt, liegt nun in Schutt und Asche. Das vermeintlich schlimmste ist, Assad wurde noch immer nicht gestürzt. Stattdessen sitzt er fest im Sattel. Die Freie Syrische Armee (FSA) ist zersplitter und von allen Fronten aus unter Beschuss geraten. Das Scheitern der „westlichen“ Ideologie wird nirgendwo so sichtbar, wie in Syrien. Mittlerweile weiß man kaum noch, wer gegen wen kämpft und warum.

 

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Die Parteien des Konflikts

Assad und das, was von seinem Militär noch übrig ist.

Die Freie Syrische Armee, geführt von einer Exilregierung, die in Syrien keiner wirklich kennt.

Die libanesische Hisbollah, die wohl stärkste militärische Kraft in der Umgebung, kämpft auf Seiten des Diktators Baschar al-Assad.

Al-Quaida ist in Syrien mit der Al-Nusra-Front (Die Befreiungsfront) vetreten. Dazu schlossen sich nun mehrere weitere islamische Rebellengruppen der von Aiman az-Zawahiri geführten Organisation an. Dieses neue Bündnis trägt den Namen „Dschaisch al-Fath“ (Armee der Eroberung).

Der Islamische Staat, der mit aller Kraft sein im Juni ausgerufenes Kalifat halten und erweitern will.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten, die erst defensiv ihre Gebiete verteidigten und diese mit Hilfe der internationalen Allianz stetig erweitern.

Die Al-Quds Einheiten, die Eliteeinheit der Pasdaran (die iranischen Revolutionsgarde).

Christliche und assyrische Milizen, meist auf Seiten von Assad.

 „Es ist ein machtpolitisches Pokerspiel“

Ein Krieg muss natürlich finanziert werden, doch woher kommt das Geld und die Waffen? Die Lage ist schwierig zu erläutern. So herrscht in Syrien mehr als nur ein Bürgerkrieg, in dem Land ist ein Stellvertreterkrieg entbrannt. Es geht um die Vorherrschaft im arabischen Raum. Es ist ein machtpolitisches Pokerspiel. Saudi-Arabien unterstützte zu Beginn die Al-Quaida Milizen und da man noch nicht unterscheiden konnte, auch die damalige ISIS, die erst aus einem ehemaligen Al-Quaida Ableger entstand. Auch die FSA wurde von den Saudis finanziert und hochgerüstet, mit Wissen und Unterstürzung aus den USA. Ziel von Saudi-Arabien war es, die iranische Vorherrschaft in Syrien zu brechen. Man wollte den schiitischen Einflussbereich verkleinern und durchtrennen, der vom Libanon über Syrien bis in den Irak reichte. Dafür war der arabische Frühling perfekt. Warum? Saudi-Arabien sieht sich als vorherrschende Macht in der arabischen Welt, besonders auf der arabischen Halbinsel. Das wahabitische Regime von Riad duldet keine Konkurrenz und diese sehen sie vor allem in dem schiitischen Regime von Teheran. Doch was hat das alawitische Regime von Damaskus damit zu tun?

Der Wahabitismus ist eine puristisch-traditionalistische Richtung des sunnitischen Islam, während die Alawiten eher dem schiitischen Zweig des Islam angehören.

Dass Saudi-Arabien seinen Herrschaftsanspruch verteidigen will, kann man momentan gut im Jemen beobachten. Seit Jahren tobt dort die vom Iran finanzierte schiitische Rebellengruppe Huthi. Nachdem diese es schafften mehrere große Städte im Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen, begann das wahabitische Regime den Gegenschlag. Um zehn Minuten nach Mitternacht, in der Nacht vom 25. auf den 26. März 2015, gab der saudische König Salaman den Befehl zum Angriff. Kurz drauf drangen mehrere Kampfjets in das Hoheitsgebiet des Jemen ein. Um die Huthi-Rebellen zurückzudrängen, stehen laut Königshaus 15.000 Soldaten und 100 Flieger bereit.

Zwischen Religion und Einfluss

Neben der Religion, die gerne vorgeschoben wird, spielt der Machtfaktor eine Rolle. Besonders getroffen hat die saudische Führung wohl, dass die Rebellen nach dem Einmarsch in Sanaa (Hauptstadt des Jemen) mit Porträts des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini durch die Straßen zogen. Das war für Saudi-Arabien eine Rote Linie. Die Führung teilte als Begründung für den militärischen Einmarsch mit: „Man wolle mit allen Mitteln die rechtmäßige Regierung des Jemen schützen und verteidigen“.

Der Iran kritisiert das direkte Eingreifen von Saudi-Arabien. Dies verletze die Souveränität der Staates. Für den saudischen König Salaman ist das militärische Operieren wohl auch ein Zugeständnis an die internen Kritiker, die dem Königshaus eine zu passive Haltung gegenüber dem Iran vorwarfen. Hinzu kommt ein gewisser Sicherheitsfaktor, da ein eingreifen Teherans sehr unwahrscheinlich ist. Erstens ist der strategische Wert des Jemen für den Iran gering, bedeutend wichtiger sind der Irak und Syrien. Zweites operiert der Iran militärisch schon in den zwei Krisenherden. In Syrien sind Eliteverbände der iranischen Revolutionsgarde, die Quds-Brigaden der Pasdaran im Einsatz, sowie Ausbilder, die Assad unterstützen. Im Irak befinden sich zudem hohe iranische Generäle, die den koordinierten Einsatz gegen den Islamischen Staat leiten. Zudem kann man davon ausgehen, dass die Hisbollah nur auf Drängen des Iran hin in Syrien operiert. Somit wird sie wohl auch direkt vor Ort von iranischen Generälen geführt.

Wer finanzierte den IS? CC - Flickr.com /  Ogbodu Solutions
Wer finanzierte den IS?
CC – Flickr.com / Ogbodu Solutions

Titelbild: Quelle: US-Army – Gemeinfrei

Grafik: CreativeCommons- wikimedia – SyrianCivilWar – http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Syrian_civil_war.png