Das Leben als Flüchtling

Fahima Makanga
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Sie haben in Ihrem eigenen Land keine Zukunft und die Flucht ist der einzige Ausweg. Da es für Flüchtlinge aber kein Visum gibt, müssen sie illegal einreisen, also mit gefälschten Papieren oder über den lebensbedrohlichen und heimlichen Weg über die Grenze. Weltweit sind mehr als 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon waren im Jahr 2012 46 Prozent Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=TN8Z4RdJ70w&feature=youtu.be

deutschland (2)

Mariam steht in der Gemeinschaftsküche und bereitet gerade das Abendessen für Ihre Familie vor. Sie begrüßt herzlich und weißt darauf hin, dass sie nur wenig Englisch sprechen kann und Deutsch noch nicht gelernt hat. Seit ungefähr einerWoche sei sie nun mit ihren zwei Kindern in Deutschland, auf der Flucht vor den Kämpfern des Islamischen Staates (IS). Ihr Mann hat die Anschläge auf Ihre Familie nicht überleben können. In Ihrem Zimmer, das sie sich mit ihren beiden Kindern (13 und 7 Jahre alt) teilt, befindet sich ein Etagenbett auf der einen Seite und ein Einzelbett auf der anderen Seite. Mitten im Raum steht ein kleiner Tisch, mit den ersten Hausaufgaben der Kinder und Tee. Die Einbauschränke sind noch leer und das Fensterbrett ist mit den Kuscheltieren der Kinder vollgestellt. Mariam kann Ihrer Tochter nicht bei den Hausaufgaben helfen, umso stolzer ist Sie, als diese die nächste Aufgabe selbstständig lösen kann. Die Kinder besuchen seit einigen Tagen die Grundschule und den Kindergarten. Da diese beiden Einrichtungen aber weit voneinander entfernt sind, hat Mariam einen Unterstützer, der ebenfalls wie Sie aus Kirkuk, einer Stadt im Norden des Irak geflohen ist, damit beide Kinder rechtzeitig zum Unterricht erscheinen können. Mariam war in ihrem Heimatland Lehrerin für Kurdisch und Arabisch und kommt aus einer mittelständischen Familie. Immer wieder betont Sie, dass sie glücklich ist, es mit ihren Kindern nach Deutschland geschafft zu haben und sich nach einer gewalt- und sorgenfreien Zukunft sehnt. Sie möchte am Deutschkurs teilnehmen um arbeiten zu können, damit sie und die Kinder bald nicht mehr in diesem kleinen Zimmer leben müssen, sondern sich eine eigene Wohnung leisten können.

https://www.youtube.com/watch?v=C1FwLsq6U6I&feature=youtu.be

Auf dem Gang kommt Charieva entgegen. Sie teilt sich im Asylantenwohnheim seit mehr als vier Jahren das Zimmer mit ihrem 22 jährigen Sohn, der derzeit eine Ausbildung absolviert. Nachdem sie sich vollständig verschleiert hat, ist Charieva für ein Interview bereit. In Ihrem Heimatland wurde sie aufgrund Ihres muslimischen Glaubes diskriminiert, verfolgt und auch mehrere Male verhaftet. Cherieva war sieben Jahren auf der Flucht. Diese führte sie erst nach Dänemark, mit der anschließenden Abschiebung nach Polen, seit vier Jahren ist sie in Deutschland. Sie hat in insgesamt mehr als 17 Sammelunterkünften gewohnt, in Deutschland ist dies ihre fünfte Unterkunft. In Ihrem Zimmer stehen die letzten gepackten Kartons, denn Frau Cherieva hat gemeinsam mit Ihrem Sohn eine Wohnung zugestellt bekommen. Sie strahlt über das ganze Gesicht als sie erzählt: „Ich und mein Sohn haben es endlich geschafft. Wir haben jetzt eine Wohnung, mit einem Zimmer für jeden und ich habe jetzt eine eigene Küche in der ich kochen kann. Ich muss sie nicht teilen und auch das Bad ist jetzt immer sauber.“ Sie erzählt auch dass sie in Tschetschenien, wo sie herkommt eine leitende Position im Familienunternehmen nachging aber die Qualifikationen hierzulande für einen Job nicht ausreichen.

Seit 1999 gibt es ein einheitliches Asylsystem in Europa. Es regelt die rechtlichen Aspekte von Asylbewerbern. Dennoch enthält dieses System wenig verbindliche Rechte für Flüchtlinge. Diese Schlupflöcher werden von den meisten Ländern für wenig menschenfreundliche Gesetze verwendet.

Rechts im Bild: Charieva
Rechts im Bild: Charieva
Eingangstür zu einem Flüchtlingswohnheim
Eingangstür zu einem Flüchtlingswohnheim

Bleiberechtsregelung

75.000 Menschen leben seit mehr als sechs Jahren ohne Aufenthaltsrecht in Deutschland. Diese Menschen führen ein Leben in ständiger Angst, in ihr Herkunftsland, dass Sie aufgrund der unmenschlichen Umstände verlassen haben, abgeschoben zu werden.

Das Arbeitsrecht für Flüchtlinge

In den ersten neun Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland ist es Asylsuchenden verboten zu arbeiten. Nach Ablauf des Arbeitsverbots dürfen Asylsuchende ein konkretes Arbeitsangebot finden und können dann eine Arbeitserlaubnis anfragen. Doch findet sich für diese Stelle eine bevorrechtigte Person (Deutsche, Migranten mit Arbeitserlaubnis) so kann es der Fall sein, dass Flüchtlinge Stellen akquirieren, die die Arbeitsagenturen dann an Andere vermittelt.

 

Sprachförderung

Asylsuchende und Geduldete können zwar im Rahmen freier Restplätze zu Sprachkursen zugelassen werden, müssen jedoch die Kosten (ca. 2000 Euro) selbst aufbringen.

Recht auf Bildung und Arbeit

Flüchtlinge werden durch arbeitsmarktpolitischen Beschränkungen diskriminiert, indem man diese nicht unabhängig von Ihrem Status die Möglichkeit einräumt die deutsche Sprache zu lernen und die gefragten Qualifikationen zu entwickeln und ihre Potenziale zu nutzen.

 Mehr: Flüchtlinge: Die Flucht vor Terror und Tod

Titelbild: Lizenz, CreativeCommons – Flickr.com/European Commission DG ECHO