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Boeing gegen Airbus

 

   A380 Flying DisplayJubel. Applaus. Majestätisch hebt der nach sieben Jahren Entwicklungszeit fertig gewordene Airbus A350 seine Nase in die Luft und verlässt den sicheren Boden Frankreichs. Es ist der Jungfernflug des von EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) entwickelten Flugzeugs, einem Langstreckenflieger, der Impulse setzen soll. Man kann nur erahnen, was für eine Anspannung bei allen Beteiligten vorherrschen muss. Und in genau diesem Moment fällt ein Teil davon ab.

 

So zum Beispiel auch bei John Leahy, dem Airbus-Verkaufsmanager, der den Start sichtlich genießt und sein Flugzeug einfach loben will: „The A350 XWB is fantastic and impressive“, sagt er einige Momente nach dem Start und fügt hinzu: „Did you hear how quite it was? We are going to set new standards with the A350 XWB.“ Ein bisschen Eigenwerbung muss es dann selbstverständlich auch sein, wenn Leahy noch hinzufügt: “…not just for comfort and performance, but for environmental friendliness as well.“

John Leahy - Verkaufsmanager

John Leahy – Verkaufsmanager

 

 

Es war ein langer Weg bis dahin. Ein neues Flugzeug wird nicht eben entwickelt, es braucht Planung, Behörden, Budget, gute Ingenieure und natürlich potenzielle Käufer. So litt der Airbus A350-900 XWB („Extra Wide Body“), so seine genaue Bezeichnung, auch unter „Start“-Krankheiten. Da waren zunächst die mangelnden Bestellungen für Flugzeuge, das Ziel waren 200 „Orders“, dieses Ziel wurde jedoch zunächst verfehlt, es gab bis zum Jahresende 2005 nur 172 Bestellungen. Trotzdem gab es im Oktober dann „grünes Licht“ für den Bau des A350.

 

Ein weiteres Problem war natürlich auch die Konkurrenz im Nacken, die es erforderlich machte, die ursprünglichen Planungen für den Prototypen abzuwandeln und quasi ein völlig neu entwickeltes Flugzeug auf den Markt zu bringen, das Boeing vor allem in der Effizienz schlagen sollte. So verbaute man im Flugzeug leichtere Legierungen, um das Gewicht und den Treibstoffverbrauch zu senken. Die Verwendung von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff für die Tragflächen führt zu verbessertem Auftrieb und einer höheren Steifigkeit der Flügel und weniger Gewicht. Dieser erste Entwurf verschlang bereits 4,5 Milliarden Euro.

 

Doch war der erste Entwurf immer noch nicht zufriedenstellend für den damaligen Airbus-Chef Christian Streiff, der dann zusammen mit seinem Airbus-Verkaufsmanager John Leahy beschloss, den ersten Entwurf zu verwerfen. Die bis dahin vorhandenen „Orders“ sollten einfach umgewandelt werden. Durch Lieferprobleme beim A380 wurde das Projekt wieder einmal verzögert und der offizielle Projektstart begann erst Ende 2006. Die Entwurfskosten betrugen jetzt bereits 7,5 Milliarden Euro.

 

Trotz diesem hohen Aufwand verspricht Airbus immense Kosteneinsparungen. Das liegt unter anderem auch an den neu entwickelten Triebwerken von Rolls Royce, die beispielsweise ein Viertel weniger Treibstoff verbrauchen als sonstige Langstreckenmaschinen versprechen. Trotz dieser ganzen Zusicherungen bleibt eine Frage offen: Ist man denn am Konkurrenten Boeing vorbeigezogen?

 

Die Konkurrenzgeschichte dieser beiden Duopolisten am Passagierflugmarkt beginnt etwa in den 90ern, als eine Vielzahl anderer Mitbewerber nicht mehr mithalten konnten. So verließen anderer große Hersteller in Europa und den USA den Markt aufgrund enttäuschender Verkaufszahlen. Ab diesem Zeitpunkt waren Boeing und Airbus quasi „kontinentale“ Gegner, da die Boeing ein Amerikaner ist, während der Airbus ein Europäer ist.A350-900_RR_DLH_V04_490_318

 

Die Geschichte der Boeing beginnt 1916 in Seattle. William E. Boeing stellte vor über 100 Jahren Wasserflugzeuge her, um dann 20 Jahre später das erste moderne Flugzeug, die Boeing 247 einzuführen. Es war ein Flugzeug für kommerzielle Zwecke. Jedoch konzentrierte sich Boeing zunächst auf die Herstellung von Militärflugzeugen, gerührt durch die beiden Weltkriege. Der Passagiermarkt-Fokus begann 1958 und bestand aus der 7×7-Serie, die heute noch die Hauptwerkstattlinie ist.

 

Die Geschichte des Airbus begann mit der Konkurrenz-Absicht gegen den amerikanischen Flugzeugmarkt. Die Tätigkeiten des Boeing-Konkurrenten sind um 1960 feststellbar. Airbus entstand aus einer Regierungs-Initiative der folgenden drei Länder: Deutschland, Frankreich und England. Die Länder beliefern und belieferten sich gegenseitig. Das erste Flugzeug war der Airbus A300, der damals noch nicht so erfolgreich war, und erst in moderneren Versionen „einschlug“.

 

Doch zurück zum aktuellen Schlagabtausch:

 

K64111-18_medDer „Dreamliner“ 777 ist der direkte Konkurrent des neuen Fliegers von Airbus. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Fliegern ist das verbaute Material. Während Boeing sich damit verteidigt, dass man auf alt bewährte Technik zurückgreift, um Produktionskosten zu sparen, rechnet Airbus damit, dass sich die neu verbauten Teile auf lange Sicht hin durchsetzen werden. Die Rede ist von den verbauten Aluminium-Teilen in der Boeing 777, die das Flugzeug im Vergleich zum Airbus schwerer machen.

 

Schon anhand dieser Kleinigkeiten wird deutlich, wie eng der Kampf zwischen den beiden Duopolisten sein muss. Es geht um Nuancen, um mehr Kunden für sich zu gewinnen. So ist zum Beispiel auch die Zeit ein entscheidender Faktor. Während der offizielle Verkaufsstart der neuen B777 bereits im vollen Gange ist, ist mit dem Nachfolgemodell des A350-900, dem A350-1000 erst im Jahr 2017 zu rechnen. Hier könnte man also einen Punkt für Boeing vergeben.

 

Geht man aber nach den aktuellen Auftragsbüchern, die nach der Flugmesse in Toulouse von beiden Herstellern veröffentlicht worden sind, gewinnt der Airbus knapp vor der Boeing. 446 Bestellungen für den Airbus, 442 Bestellungen für Boeing lautet der finale Stand nach der Flugmesse. Auch daran wird deutlich, dass sich beide Konkurrenten wirklich fast „nichts“ nehmen. Auf die aktuelle Situation bezogen, also ein kleiner Punkt für Airbus.

 

 

Boeing "Dreamliner"

Boeing „Dreamliner“

Der Kunde ist König, das ist in der Luftfahrtbranche auch nicht anders. Doch hier fließen bei den Kunden Milliardenbeträge, wie das Beispiel von einem der hundert reichsten Amerikaner zeigt. Denn dieser verdeutlicht direkten Einfluss auf die beiden Hersteller. Steven Udvar-Hazy gilt als einer der wichtigsten zu gewinnenden Kunden für beide Hersteller. Seine Wünsche sind den beiden Produzenten wichtig, da Udvar-Hazy, jedes Jahr rund 50 Maschinen ordert. Airbus verwarf gar komplett den ersten Entwurf und verstand die „Winks“ des Kunden, der den A350 zunächst als „unzureichend“ empfand. Airbus konnte Udvar-Hazy überzeugen, der nach den Nachbesserungen ebenfalls viel Potential bei Airbus sieht. Punkt für Airbus.

 

Airbus kämpft vor allem finanziell, da sich Anteilseigner aus Deutschland und Frankreich einen harten Kampf am Devisenmarkt liefern. Darunter leidet die Markteffizienz. Der schwache Dollar, die Währung, in der der Airbus gehandelt wird, schadet dem Unternehmen ebenso. Auch muss man bedenken, dass der A380 noch unter diversen Kinderkrankheiten leidet, wie der Haarrisse an den Tragflächen, die damals in den Medien für Furore sorgten, letztlich aber doch nicht so schlimm wie angenommen waren. Auch sorgten Auslieferungsverzögerungen des A380 für wirtschaftliche Probleme, ebenso wie der vorhandene Personalmangel beim Unternehmen. Hier ist Boeing besser aufgestellt.

 

Doch es ist und bleibt ein Endlos-Kampf. In einem verzweigten Dickicht wie der Luftfahrt kann man nie so richtig von einem Sieger oder Verlierer sprechen. Es sind immer nur Teilerfolge, die jeder Konkurrent versucht, für sich zu verbuchen. Letztlich profitieren davon vor allem die Passagiere, denen immer mehr Komfort zu Teil kommt. Man wird also weiter davon ausgehen können, dass Airbus und Boeing im Duopol bleiben werden. Und ist man ehrlich zu sich selbst, wird man feststellen, dass Konkurrenz technischen Fortschritt viel besser fördert. Zwei Punktlandungen sind eben besser als eine.

 

Eine solche Punktlandung legt der Airbus A350 nach fast vier Stunden reibungslosen Testflug dann auch hin, als er vor den ausharrenden Zuschauern wieder sicher und wohlbehalten nach Frankreich zurückkommt, um seine Anhänger glücklich zu stimmen. Jungfräulichkeit überwunden.

 

von Ralph Schmidt

 

Alle Bilder dieses Artikels von

http://www.airbus.com/de/

http://www.boeing.de/

http://www.lufthansa.com

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