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Die Wahrheit über den Skandal: Herr Professorin

Das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität Leipzig (GWZ) (c) wikimedia/ Martin Geisler

Das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität Leipzig (GWZ) (c) wikimedia/ Martin Geisler

Sehr geehrte Professorinnen und Professoren, Studentinnen und Studenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und übrige Leserinnen und Leser.

 

So könnte die Anschrift ein einer perfekt geschlechtsneutralen Email aussehen. Beide Geschlechter werden immer genannt, niemand muss sich diskriminiert fühlen (zumindest bis sich jemand daran stört, dass Frauen immer zuerst genannt werden). Doch so sehr es hilft, dass sich alle von der Mail angesprochen fühlen, so sehr stört es den Lesefluss.

 

 Aus diesem verwenden Unis nun häufig Begriffe wie Studierende oder Lehrende, bei denen beide Geschlechter gemeint sind ohne direkt genannt zu werden. Mit einigen Begriffen ist dies allerdings nicht möglich. Niemand will Wörter wie Professorende benutzen. Wie geht also der gender-bewusste Mensch mit einem solchen Problem um.

 

Die Uni Leipzig ging hier einen besonderen Weg. Seit Mitte April verwendet man dort nur noch die weibliche Bezeichnung. Die Medien reagierten darauf mit knackigen Schlagzeilen.

 

Hallo, Herr Professorin!

schrieb der Tagesspiegel. Bild.de ging sogar noch einen Schritt weiter und behauptete:

Ab heute sagt man: „Herr Professorin“

Auch in den Kommentaren waren die Urteile alles andere als positiv:

 

Deutschland – Land der Bekloppten und Bescheuerten !“

 

Das ist Vergewaltigung der deutschen Sprache.“

 

Doch was steht hinter den Vorwürfen? Wie bezeichnet der Leipziger Studierende nun seine Professoren? Erstmal: Niemand redet Personen mit Ausdrücken wie „Herr Professorin“ an. Dies ist eine reine Medienerfindung, die wohl häufig von Leuten verbreitet wurde, die nur die Überschrift von einem Artikel gelesen haben.

 

In der Realität gibt es zwei entscheidende Änderungen:

 Zum einen ist es nun erlaubt, in einem Text den weiblichen Terminus zu verwenden, wenn in einer Fußnote erwähnt wird, dass damit auch Männer gemeint sind.

Dies könnte dann so aussehen:

 

Alle Studentinnen² im 4. Semester sind verpflichtet…..

 

²(hier sind auch Studenten gemeint)

 

Dazu sei auch gesagt, dass es auch seit Jahren Praxis ist die gegenteilige Variante zu verwenden.(Also im Text Studenten und in der Fußnote Studentinnen anzuführen).

 

Die andere Änderung in Leipzig ist, dass in der Grundordnung, also der Verfassung der Hochschule, nun immer die weibliche Variante verwendet wird. Sinn des Ganzen ist es, unübersichtliche Texte wie:

 

Die Vertreter/innen der Gruppe der Hochschullehrer/innen, der Gruppe der akademischen Mitarbeiter/innen und der Gruppe der sonstigen Mitarbeiter/innen im Fakultätsrat, die Dekane/Dekaninnen, Prodekane/Prodekaninnen und Studiendekane/Studiendekaninnen sowie die Gleichstellungsbeauftragten werden für eine dreijährige Amtszeit gewählt.“

 

zu verhindern. Interessanterweise wurde dies von einem männlichen Professor vorgeschlagen. Dieser sagte auch noch, dass ihm das Ganze spontan und ohne politische Ziele in den Sinn kam. Natürlich kann man daran Anstoß nehmen, wenn in der Grundordnung nur noch die weibliche Variante verwendet wird. Doch einen Einfluss auf den Alltag der Hochschule hat dies nicht. Somit bleibt der Skandal in den Medien, wohl auch nur das was er ist: Ein Skandal in den Medien.

 

 

von Sebastian Kamper

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